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Unsere Top 5 der schwachsinnigsten Ernährungsmythen aller Zeiten

Aktualisiert: 1. Dez. 2020


Gemüse Gesunde Ernährung Ernährungsmythen Superfood

Stell dir vor, jemand erzählt dir mit inbrünstiger Überzeugung, dass es anfängt zu regnen, wenn er einbeinig über einen Zebrastreifen hüpft, während er sich ein französisches Croissant mit Marmelade einverleibt.



Wer noch alle Kerzen im Kronleuchter hat, der würde dieser Aussage wohl mit einem Lachen begegnen und darauf warten, dass Guido Kanz aus einer Ecke gesprungen kommt, um die ganze Chose in eine Szenerie der beliebten Fernsehsendung „Verstehen Sie Spaß“ zu verwandeln.


Wir als Personal Trainer müssen uns oft eine Menge solcher Thesen und fantastischer Geschichten anhören, die es kaum vermögen sich zwischen Absurdität und Irrsinn die Stirn zu bieten. Es ist sowohl faszinierend als auch erschreckend, wie hartnäckig sich manche (schwachsinnigen) Mythen halten und verbreitet werden.


Vermutlich liegt es daran, dass der Mensch einfach gerne schwarz und weiß mag und es einfacher ist, sich an gewisse Dogmen und Absolutismen zu orientieren. In der Ernährung und auch im Training gibt es das aber oft nicht (aufgrund von Individualität, einer unsicheren Studienlage etc.) und aus diesem Grund sind viele Menschen, die uns eine Frage stellen, nicht zufrieden mit unserer Antwort, wenn wir sagen:

"Es kommt drauf an!"

Und genau so meinen wir es auch: Es kommt auf deine Zielsetzung, deine Lebensumstände, deine bisherige Geschichte und viele andere Faktoren mehr an und deshalb tuen wir uns mit pauschalen Aussagen rund ums Thema Ernährung und Fitness oft schwer.

Ein paar goldene Regeln gibt es natürlich, aber dazu kommen wir in einem anderen Beitrag.


Heute gibt es erstmal für euch die (in unseren Augen) Top 5 der schwachsinnigsten Ernährungsmythen aller Zeiten.




· NUMMER 1: „Um Abzunehmen sollte man Honig statt Zucker nehmen.“

· NUMMER 2: „Kohlenhydrate nach 18 Uhr machen dick.“

· NUMMER 3: „Ich mache eine Woche Saftfasten, um meinen Körper zu reinigen.“ und dazu zählt auch: „Mit dem neuen Detox – Tee werden endlich alle Schadstoffe aus meinem Körper geschwemmt.“

· NUMMER 4: „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages“

· NUMMER 5: „So viel Eiweiß ist doch nicht gesund!“

(Ich könnte die Liste auch noch sehr viel weiter ausführen)


Warum diese Aussagen falsch sind:


· NUMMER 1: „Um Abzunehmen sollte man Honig statt Zucker nehmen.“

Wenn man aus der Angst vor Zucker auf Honig umsteigt, dann ist das Non-Sens, da Zucker und Honig eine ähnliche Zusammensetzung haben. Sie bestehen aus Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). Auch von den Kalorien macht es keinen großen Unterschied.

Zucker besitzt auf 100g ca. 380 Kilokalorien – Honig ca. 304 Kilokalorien…Klingt erstmal viel, aber wer kippt sich schon 100 Gramm Zucker in seinen Tee?

Ein Teelöffel entspricht ca. 10 gramm. Das wären dann 38 Kalorien durch Zucker und 30,4 Kalorien durch Honig. Die 8 Kalorien werden sicher nicht für eine schlanke Taille sorgen.


Nichtsdestotrotz enthält Honig auch viele gesunde Inhaltsstoffe und wirkt Anti-Entzündlich, anti-bakteriell, anti-oxidativ, antimikrobiell usw. Hier im Studienreview findest du auch noch mehr Wirkungsweisen von Honig.

Honig hat definitiv gesundheitsfördernde Eigenschaften und ist die bessere Alternative zu Zucker. Er fördert jedoch auch wie normaler Zucker Karies und wird dir keine großartigen Diäterfolge liefern. Sei dir das bewusst.


· NUMMER 2: „Kohlenhydrate nach 18 Uhr machen dick.“

Eine meiner Lieblingsmythen…Wenn es stimmen würde, dann wäre folgendes Szenario richtig:

Ich schiebe mir um 17:55 Uhr meine Pizza rein und mein Körper kann die Kohlenhydrate nicht aufnehmen. Wenn ich die Pizza allerdings um 18:05 Uhr esse, dann wird sich das alles in böses Hüftgold verwandeln.



Manche Dinge lassen sich mit reinem Menschenverstand erklären. Warum funktioniert das Weglassen der Kohlenhydrate am Abend allerdings bei vielen Menschen?

Ganz einfach, wenn du abends nur Hähnchen mit Gemüse isst, anstelle von Hähnchen, Gemüse und Reis, dann sparst du Kalorien. Wenn du dann noch die ganzen Chips und Süßigkeiten abends vor dem Fernseher weglässt, dann sparst du richtig Kalorien. Am Ende nimmst du also ab, weil du weniger Kalorien zu dir genommen hast, als du verbrennst. Das hat aber nichts mit der Uhrzeit zu tun.

Entscheidend ist das Kaloriendefizit. Wie du dir deine Kalorien und somit auch dein Eiweiß (Protein), Fett und Kohlenhydrate über den Tag verteilst, ist deinem Körper relativ Hupe und du kannst auch super abnehmen, wenn du um 10 Uhr deine Nudeln isst.


· NUMMER 3: „Ich mache eine Woche Saftfasten, um meinen Körper zu reinigen.“ und dazu zählt auch: „Mit dem neuen Detox – Tee werden endlich alle Schadstoffe aus meinem Körper geschwemmt.“

Dieser Schwachsinn bringt mich richtig auf die Palme, weil es der Gipfel des Schwachsinns ist. Menschen verarschen andere Menschen und leiern Ihnen damit dann das Geld aus der Tasche. Wundersame Heilkuren lassen sich gut verkaufen und so erzählen Menschen, die Saftfasten, dass sie sich nach ein paar Tagen einfach nur super fühlen…überlegen wir doch mal, was da passiert und was man seinem Körper da eigentlich zumutet.


Menschen die Saftfasten nehmen am Tag gerade mal 300-750 Kalorien zu sich. Der Körper gelangt also nach einigen Tagen in die Ketose und aus diesem Grund fühlen sich die Menschen auf einmal gut. In der Ketose beginnt der Körper Ketonkörper zu verbrennen. Der Hauptenergielieferant ist hier das Fett. Wenn du diesen Zustand für deinen Körper möchtest, kannst du auch einfach eine ketogene Ernährung anstreben. Hierbei isst du täglich eine ausreichende Menge an Kalorien (kannst also deine Vitamine und Mineralstoffe abdecken), deckst dein Eiweiß, isst mehr Fett und lässt die Kohlenhydrate (fast) weg. Der Körper gelangt hierdurch in den gleichen Stoffwechselzustand wie beim Saftfasten.

Du wirst genauso Gewicht verlieren (weil das Wasser ausgeschwemmt wird), versorgst deinen Körper jedoch mit den wichtigsten Makro- und Mikronähstoffen und wirst anders als beim Saftfasten keine Muskulatur verlieren, weil du ja ausreichend Eiweiß isst. Da freut sich auch dein Immunsystem, welches nur mit einer ausreichenden Menge Eiweiß vernünftig funktionieren kann.

Von einer Woche nichts essen, wirst du zwar nicht sterben, aber einen Gefallen tust du deinem Körper damit auch nicht.

Detox ist der gleiche Müll, lässt sich aber auch sehr gut verkaufen. Wer möchte schließlich nicht, dass sein Körper von allen bösen Schadstoffen befreit wird?

Wenn sich dein Körper nicht selbstständig von Schadstoffen reinigen würde, würdest du sterben. Ist das nicht super? Dein Körper ist nicht schwer belastet, wenn du dich gesund ernährst, denn er reinigt sich täglich selber. Die Haupt-Entgifter sind Leber und Niere. Die Nieren freuen sich, wenn du ausreichend trinkst und die Leber freut sich, wenn diese Flüssigkeit nicht unbedingt aus Alkohol besteht.




NUMMER 4: „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages“

Leider Nein…deinem Körper ist es egal, wann er seine Mahlzeiten bekommt. Ob du deine erste Mahlzeit um 06:00 Uhr, um 13:00 Uhr oder um 18 Uhr zu dir nimmst, ist ihm so egal, wie das Umfallen eines Sackes Reis in China. Am Ende zählen nur die Kalorien und die Versorgung mit Mikro – und Makronährstoffen.


Das Einzige, was ein Problem darstellen könnte ist die Versorgung mit Eiweiß. Du besitzt einen Aminosäurepool in deinem Körper. Stell dir das wie einen echten Pool vor, an dem sich die lustigen Aminosäuren tümmeln.

(Hintergrundinformation: Proteine bestehen aus Aminosäuren. Sie sind quasi die kleinsten Bausteine).

Dieser Vorrat in deinem Körper hält irgendwas zwischen 6 und 24 Stunden. Dazu liegt leider keine genaue Studienlage vor. Geht man vom absoluten Minimum aus, dann würde es Sinn machen, wenn man schon nach dem Aufstehen nicht frühstückt, zumindest ein paar EAAs (Essentielle Aminosäuren) oder einen Eiweißshake zu trinken. Gibt’s in jedem Supplement-Shop.

Frühstückst du nach dem Aufstehen und dein Frühstück besteht aus Cerealien umhüllt von einer dicken Schicht Zucker, bringt dir dein Frühstück auch nichts (außer möglicherweise Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes).

Ein gutes Frühstück besteht aus einer Portion Protein, langkettigen Carbs, gesunden Fetten und im Idealfall ein paar Vitaminen. Dennis liebt morgens Rührei mit Tomate, Lauchzwiebeln und Kräutern, dazu Vollkornbrot mit Lachs.

Gehen wir davon aus, dass der Aminosäure-Pool ganze 24 Stunden hält, dann würde es sogar reichen, wenn wir einmal am Tag essen würden (zum Beispiel abends..).

Auch werden wir nicht sterben und unsere ganze Muskulatur verlieren, wenn der Speicher mal für 2 Stunden leer ist. Die wenigsten Menschen befinden sich auf einem Leistungsniveau, bei dem es tatsächlich auffallen würde und ausschlaggebend wäre. Wir sind schließlich keine Welt-Elite Sportler.


· NUMMER 5: „So viel Eiweiß ist doch nicht gesund!“

Hier muss man „so viel“ erstmal definieren. Unsere Eltern halten uns für bescheuert, weil wir auf unsere Eiweißzufuhr achten und zusehen, dass wir unseren Bedarf decken. Natürlich gibt es immer ein paar „Spezialisten“, die meinen, dass ein Kilo Rind und 5 Eiweißshakes nötig wären, um ihren exorbitanten Bedarf zu decken. Das ist allerdings Quatsch.

Ein normaler Sportler sollte zwischen 2g und 2,5g Protein pro Kilogramm Muskelmasse zu sich nehmen. Für Nicht-Sportler reichen auch 1-1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Muskelmasse.

Um optimal versorgt zu sein (es kommt schließlich auch auf die Aminosäuren Zusammensetzung an), kann man bei Normalgewichtigen Menschen auch mit dem Körpergewicht, statt der Muskelmasse rechnen, denn nicht jedes Lebensmittel enthält auch alle notwendigen Aminosäuren.


Damit dein Körper anständig funktionieren kann, solltest du auf eine ausreichende Zufuhr an Proteinen achten.




Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Bleib fit und gesund,

deine Miri



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